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„Das Schöne an einem richtig feinen Lebkuchen ist die Vielzahl der erlesenen Ingredienzien, sorgsam und harmonisch aufeinander abgestimmt. In sachter Explosion tritt in Sekundenbruchteilen vielleicht diese, ein andermal jene geheimnisvolle Essenz hervor, um sofort wieder im Gesamtklang den Geschmackssinn aufs Raffinierteste herauszufordern: Advent, Weihnacht, der Duft der Kindheit, alle Gewürze des Himmels in ein kleines Gebäck gepackt!“


So ähnlich verhält es sich auch mit dieser Aufnahme. Wo anfangen? Entstanden in Zeiten der Bedrängnis, mit einem ganzen Kanon aus Wünschen und Träumen, die Zeiten mögen bald zum Guten sich wenden, haben Sängerin und Pianistin, Tonmeister und Startnext-Möglichmacher*innen keine Mühen gescheut, das Allerbeste in einen kleinen Rundling im Digipak zu packen: Viel, nein: sehr viel Dur als schmackhafte Grundzutat, mit großer Leidenschaft und heimlicher Vernarrtheit in einen Vers oder einen Takt liebevollster Weihnachtsmusik, mit einem Meister des Tons im wahrsten Sinne des Wortes (beherrschen Sie mal die Kunst, einen Kunstkopf zum Leben zu erwecken!) und einer winzigen Sippe weihnachtlicher Wichtel, die das Ganze in ein ansehnliches und erst recht anhörliches Geschenkchen heutiger Kunst reinproduziert haben: Das ist allemal einem Lebkuchen vom Allerfeinsten ebenbürtig!

Und das Licht der Welt, wie auch immer wir es gemeinsam verorten mögen – hienieden wie im Himmel, im Nächsten wie im Christkind, im Damals wie im Heute –, es bleibt doch immer ein Licht im Herzen derer, die es wahrnehmen. So wie jeder Lebkuchen jedes Menschenkind anders zu begeistern vermag. Das Schöne an der CD allerdings (im durchaus unbotmäßigen Vergleich zum Gebäck) ist die Tatsache, dass man sie viele Male hintereinander ohne jedes Bauchweh genießen kann. Und jedes Mal schmeckt sie sogar noch etwas besser. Drum nicht lange weiterphilosophiert, sondern mittenrein gehört und nachfolgend gebeamt ins junge Gestern der Entstehung dieser musikalischen Kunststückchen.


Engelbert Humperdinck

2021 ist er hundert Jahre tot. Das stecken wir mal weg. Obwohl… Er steckt, dünkt uns, wiederum tüchtig in der Nachbetrachtungs-Klemme: zwischen Komplettverdübelung im Musikzaubermärchen Hänsel und Gretel einerseits, Wagner-Schatten-Spielchen und Gemüts-Verniedlichungs-Attitüden andererseits, am eher grauen Horizont die Phalanx der Zurechtrücker und Heroen seines verkannten Genies: Engelbert Humperdinck, oder (um einen Aspekt mal eben mit Fakten zu überzeichnen): „Engelbertchen“, „Humpi“, „Hümpchen“. Ja, so nannten sie ihn, in Familie und Überfamilie (Wagners) und auch unter Freunden (Hugo Wolf). Und Hanslick verhohnepiepelte Humperdinck als „stoßweise rumpelnden Namen“, den die Welt vor Hänsel und Gretel gottlob nicht aussprechen musste…


Die Mär vom braven Märchenonkel ist freilich Murks. Natürlich war Humperdinck am Puls seiner Zeit, reagierte mit teils gewaltigem Interesse, Scharfsinn und Humor auf kulturelle wie politische Entwicklungen. Das Zustandekommen seines verzweigten Netzwerks mit den Musikgrößen seiner Zeit beruhte auf allseitigem Respekt. Es beginnt in den Studienjahren in Köln, später München: „Alles um mich herum ist Musik, alle Gedanken sind Musik und ich selber bin Musik“, notiert er, begeistert sich für Italien, reist nach Rom, begegnet in Neapel erstmals seinem Idol Wagner, es folgen Sizilien, Bayreuth, Pompeji, Capri, wieder Rom.

Vielleicht eine Art „Schlüsselerlebnis“ (oder, wenn ein weiteres Wortspiel erlaubt ist, sozusagen „Hümpchens Weihnachtstraum“), als ihn der große Meister Mitte Dezember 1882 nach Venedig kommen lässt, um die Einstudierung von Wagners Jugendsinfonie C-Dur zu übernehmen, die jener nach genau 50 Jahren wiedergefunden hatte und sie nun als Weihnachtsüberraschung für Cosima im Teatro Fenice darbieten will. Die Idee mit Humperdinck am Pult zerschlägt sich zwar, da Wagner in der terminlich engen Zeit vor Weihnachten die Einstudierung letztlich selbst übernimmt, doch Humperdinck genießt den venezianischen Abstecher ausgiebigst: die Aufführung findet im engsten Kreis statt – am Heiligabend. Und der Clou: auch Cosima hat am 24. Dezember Geburtstag – ein Grund für Humperdinck, alljährlich einen besonders herzlichen Weihnachtsgruß an die „hochverehrte gnädige Frau“ zu senden. Die Humperdincks ihrerseits machen Weihnachten späterhin zum Doppelfest, nachdem der Tag der Verlobung mit Hedwig Taxer 1890 just auf den Heiligabend gelegt wurde.

Und weil wir gerade bei Wagner sind: ja, der junge Humperdinck ist Wagnerianer, wie so viele andere eigenständige Künstler seiner Generation, und ja, auch er ist Mitglied des „Ordens vom heiligen Gral“, und ja, er nennt den Familienhund „Fasolt“ (ein sehr imposanter Bernhardiner!), und ja, er schreibt anstelle seines Namens LVMEN DE LVMINE über die erste Partiturseite seiner Königskinder. Letzteres im Übrigen in der Erstfassung als „Melodram“ komponiert, erstmals in jener typischen Notation für das Sprechen auf bestimmten Tonhöhen mit Kreuzen anstelle der Notenköpfe, deren Erfindung – Ironie der Musikgeschichte – bis in die heutige Zeit Arnold Schönberg zugeschrieben wird.









Wanderjahre die zweite: Humperdinck unternimmt eine ausgedehnte Stipendienreise durch Spanien bis Gibraltar, weiter geht’s nach Marokko. Nach der Rückkehr steckt er zwischenzeitlich seine „Nase in die berauschende Champagnerluft des Opernwesens“ (Herbst 1883, Kölner Stadttheater), wird kurz darauf musikalischer Gesellschafter bei Alfred Krupp in Essen („bin ich nunmehr zum Hofpianisten des größten Kulturzerstörers […] hinabgesunken“), erbt immerhin dessen Bechstein nach dem Tod des „Kanonenkönigs“, lehrt am Konservatorium in Barcelona, komponiert, wird Musikkritiker, komponiert und komponiert, dann die Wende mit dem riesigen Erfolg von Hänsel und Gretel, der ihm 1893 Ruhm und finanzielle Unabhängigkeit sichert. Und der ihn später zum „Ein-Werk-Komponisten“ werden lässt.

Andererseits: Wurden und werden nicht wohltuend-unzählige Kinderherzen höherschlagend erfreut im spannenden Geschehen und (verhältnismäßig!) tröstlichen Ausgang der Märchenoper? Zaubert nicht allein der Gedanke an den Abendsegen uns ein feuchtes Filmchen auf die Pupille? Gibt es etwa einen schöneren Beweis grenzenloser gemeinsamer Zustimmung zum Bühnengeschehen als bei der Befreiung der Lebkuchenkinder? Drum: Gönnt doch Humpi seinen Welterfolg auf ewig und guckt die kleine Postkarte mit seinen Kindern dazu an! Dass der Rest seiner Werke (von den Weihnachtsliedern nun mal abgesehen) noch der Entdeckung harrt, sollte allein Ansporn sein für nachfolgende Generationen, die verborgenen Perlen seiner Tonkunst zum Klingen zu bringen.


Zumal es ja schon eine ganze Reihe wackerer Seelen gibt, die sich auf die Vitalisierung des Humperdinckschen Schaffens im Konzertleben stürzten und stürzen werden: Engelberts Sohn Wolfram und dessen Tochter Eva Humperdinck (die als Schwester Evamaris in die Kongregation der Schönstätter Marienschwestern eintrat) haben die Arbeit in jenem von ihm so geliebten familiären Selbstverständnis bestens begonnen; weitergeführt wurde sie u. a. von Hans-Josef Irmen und im heutigen munteren Umfeld der Siegburger Humperdinck-Werkstatt von Christian Ubber, dem diese Aufnahme mit dessen Gesamtausgabe der Lieder einen ganz wichtigen Grundstein verdankt.

Und Humperdincks Lieder? Leider ist ein ziemlich großer Teil verschollen, nicht zuletzt, weil ihr Komponist aus Gefälligkeit gern mal die Manuskripte verschenkte. Erhalten geblieben sind 80 Kompositionen, etwa ein Zehntel davon mit weihnachtlichem Hintergrund. Die Weihnachtslieder sind fast alle in der Berliner Zeit entstanden, als Humperdinck längst berühmt war. Die Texte stammen aus seinem persönlichen Umfeld; wir begegnen Namen wie dem seiner Schwester Adelheid Wette (der Hänsel und Gretel-Librettistin) oder jenem seiner Frau Hedwig. Die meisten der Lieder entstanden im Auftrag einer Zeitschrift für eine Weihnachts-Sonderausgabe.

„Die ab etwa 1905 einsetzende Tendenz zu vermehrter Schlichtheit und die stilistische Nähe zum Kinderlied – also Liedern, die von Kindern oder für Kinder gesungen werden können – zeigt sich auch in seinem übrigen Liedschaffen und darf als allgemeines Stilmerkmal des Komponisten gelten.  Nichtsdestoweniger schafft der Komponist den ‚Spagat‘ zwischen häuslichem Musizieren und größerem Publikum, denn seine längeren Weihnachtslieder verknüpfen eingängige Melodik, komplexere Begleitung und anspruchsvollere Harmonik.“ (Christian Ubber, Vorwort zu Band 4 der Gesamtausgabe, 2002)

Lauschen wir kurz hinein: Da wird uns der vielfarbig glitzernde Stern von Bethlehem ins allerfreundlichste Licht gerückt und lässt im Ausklang zarte Erinnerungen an O du fröhliche aufscheinen; da werden wir von zaghafter Weihnachtsfreude erfasst, die uns harmonisch hierhin und dahin entführt, gleich dem Hin und Her zwischen stiller Liebe und jauchzend froher Lust; und dann – wie schön ist das denn? Da tritt in Christkindleins Wiegenlied, eigentlich schlicht strophisch angelegt, in der vierten Strophe plötzlich ein sacht hereinschwingender eigener Gedanke im Klavier als zarteste Nuance herzu – das ist Meisterschaft der Verzauberung!

Drei der Lieder dieser CD entstammen dem Krippenspiel Bübchens Weihnachtstraum, einem Auftragswerk des Berliner Verlegers Robert Reibenstein, vollendet im Sommer 1906. Neben eigenen Melodien arbeitete Humperdinck einige der bekanntesten Weihnachtslieder ein, was dem Erfolg des Werkes durchaus zuträglich war. Zum ersten Mal erklang das „melodramatische Krippenspiel für Schule und Haus“ im Berliner Zirkus Busch am 30. Dezember 1906; Humperdinck dirigierte das Philharmonische Orchester und einen Chor aus 500 Schülerinnen und 200 Frauen. Das Ganze geriet, so hält Humperdinck es in einem seiner Tagebücher fest: „ziemlich gut“.

Auf die Stichworte des Sprechers: „Singende Kinder, von Haus zu Haus, breiten ihre Stimmlein aus, psalmiren mit einem frohen Mut die alte Weihnachtsweise gut“, singt der Kinderchor Stille Nacht, heilige Nacht. Wenn das Lied am Ende dieser CD nochmals erklingt, diesmal in der Version mit der Orgel (und was für einer: vgl. QR Code!), dem Instrument des Benediktinerpaters Ballmann, so finden sie beide zusammen, Engelbert und Willibrord, in diesem wunderschönen, schlicht gehaltenen Weihnachtstraum-Satz, der die bekannten nicht verdrängt und dennoch ganz eigen ist im wiegenden Bariton des herüberwehenden Glockenklangs. – Gruß aus Salzburg, der Stadt jenes Liedes, an den Pater, der dort seinen Lebensabend verbringen sollte:


Pater Willibrord Ballmann OSB

Das neue Jahrhundert gedenkt er als Benediktiner zu betreten: 1875 in Niederstedem in der Südwesteifel als Peter Ballmann geboren, beginnt der weitere Lebensweg von Pater Willibrord OSB („Ordo Sancti Benedicti“) als 25-jähriger in der prächtigen Benediktinerabtei Maria Laach, 100 Kilometer nordöstlich von seinem Geburtsort entfernt. Wir schreiben das Jahr 1900, in dem Engelbert Humperdinck an die Königliche Akademie der Künste und als Vorsteher einer Meisterschule für Komposition nach Berlin berufen wird.

Nach theologischer Ausbildung und Priesterweihe 1906 folgen wichtige musikalische Studien. Die herrliche Benediktinerabtei muss für Willibrord in mehrerlei Hinsicht eine stark inspirierende Umgebung gewesen sein, denn er betätigt sich in den folgenden Jahrzehnten auf vielfältige Weise als Organist, Komponist, Autor und Orgelsachverständiger. In seinen liturgischen Schriften widmet er sich insbesondere dem Choral, so etwa in dem 1916 in Trier erschienenen Bändchen In neuer Kraft: ein Wort für den altchristlichen Choral, in dessen Ausklang er schreibt: „Wie die Kirche wollen wir das alte, teure Reislein hüten und aufwachsen und aufblühen lassen in neuer Kraft“.

Pater Willibrord verbringt jährlich mindestens eine Woche bei den benediktinischen Mitschwestern in Trier, unterrichtet sie intensiv in Choralgesang und Harmonielehre, hält Vorträge über die Liturgie und gibt hilfreiche Tipps zur liturgisch angemessenen Gestaltung ihrer Kapelle. Er nimmt als Orgelsachverständiger u. a. die Instrumente der Pfarrkirche St. Quirinus zu Langenfeld oder der Mayener Clemenskirche in Augen- und Ohrenschein und beteiligt sich an der Einspielung alter gregorianischer Weisen an „seiner“ Abteiorgel in Maria Laach. Er komponiert: Davids Totenklage um Saul und Jonathan als Magnifikatantiphon für eine Singstimme und Klavier oder Die Marianischen Schlussantiphonen nach der Benediktiner-Singweise (beide 1918). Er tritt als Redner vor der Jugend auf, beispielsweise 1920 auf der Burgtagung der Quickborn-Bewegung in Rothenfels, wo er als Wurzeln wahrer Frömmigkeit das Volkstümliche und das Liturgische benennt.






1931 unterrichtet er am neu gegründeten Kirchenmusikalischen Institut in Heidelberg, beteiligt sich an Fortbildungskursen für Organisten und Chorleiter (so im Mai 1935 an der Hochschule für Musik in Karlsruhe) und übersiedelt schließlich in die Erzabtei St. Peter in Salzburg, wo er bis zu seinem Tod 1952 als Stiftsorganist tätig ist; im März 1947 ist er als Mitglied der konstituierenden Konferenz der Österreichischen Liturgischen Kommission erwähnt. Sein Grab befindet sich auf dem Klosterfriedhof von St. Peter in Salzburg.


Peter Willibrord hat drei Folgen Christkindlieder veröffentlicht (1915 und 1917 die beiden hier vorgestellten Hefte, das dritte 1919), die jeweils mehrfach neu aufgelegt wurden. Drei der Texte stammen von Pater Gaudentius Koch, einem nordtirolischen Kapuziner, Meister der Kurzpredigt, der unter dem Pseudonym „Liebfrauenlob“ mit feinem Sinn für Legenden, Sagen und Märchen eine umfängliche Liedersammlung verfasste. Die kleinen Zyklen mit ihren schlichten, oftmals choralartigen Melodien, umhüllt von äußerst feinsinnigen Sätzen, bieten manche Kostprobe davon, dass auch Klosterbrüder zu zaubern imstande sind. So blitzt schönste Verschmitztheit auf, wenn der eine Pater das ganz entzückende finale Silbentrio des Liedes Ihr Engel, wieget das Kindelein aus der Feder des anderen Paters mit feinhumorigem Vokalpizzicato versieht; umwerfend allein die Textzeilen: „Engel kann fliegen, Jesulein wiegen: Äugelein zu!“

Pater Willibrords Christkindlieder wurden vor einigen Jahren wiederentdeckt und neu ins reichhaltige musikalische Leben von Maria Laach aufgenommen: Pater Philipp Meyer OSB, heute Mönch von Maria Laach, regte Orchesterarrangements der Lieder an, die vom Salzburger Komponisten Martin Fuchsberger und vom Laacher Abteiorganisten Gereon Krahforst realisiert wurden: auf diese Weise kehrte Pater Willibrord Ballmann „musikalisch gleichsam nach Hause zurück“, wie eine Zeitungsnotiz treffend resümierte.


Nochmal Humperdinck, nochmal Benediktiner

„In der Tat bieten die Gebäude der Abtei von der Westseite ein Bild, würdig eines Fürstensitzes, und stehen selbst der Wartburg an Schönheit nicht nach; man sieht, dass die Väter des Benediktinerordens, welche die Abtei errichteten, nicht nur gelehrte Männer, sondern auch wohlerfahrene Baukünstler waren“ (Die Zeitlose, Modernes Traummärchen, geschrieben im Spätsommer 1921, kurz vor Humperdincks Tod). Mehrmals hat der Komponist, wenn er in seiner Siegburger Heimatgegend weilte, auch die ehemalige Abtei der Benediktiner auf dem Michaelsberg besucht, die damals als „Irrenanstalt“ diente, nachdem sie 1803 als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses säkularisiert worden war.

Als „Friedenspapst“ Benedikt XV. sich mit Beginn seines Pontifikats 1914 um Verhandlungen bemühte, den weiteren Ausbruch des Weltkriegs zu verhindern, nahm Humperdinck dies zum Anlass, ein kleines Benedictus für vier Männerstimmen zu komponieren, das im Dezember skizziert war und dem Papst gewidmet werden sollte. Doch die Friedensbemühungen waren nicht erfolgreich und die Widmung wurde nun „dem wiedererstandenen Benediktiner-Konvent Michelsberg zu Siegburg“ zuteil, denn am 2. Juni 1914 war ihnen die Abtei zurückgegeben und von niederländischen Brüdern wiederbesiedelt worden. Das Benedictus wurde am 10. Juni 1915 „bei Gelegenheit des dreizehnstündigen Gebetes“ in der Benediktinerabtei aufgeführt und erklingt dort auch in unseren Tagen regelmäßig als Zeichen der Verbundenheit Humperdincks mit den Benediktinern seiner Heimat.


Wenn wir allenthalben das Licht der Welt suchen und gleichermaßen im alltäglichen Miteinander finden wie im sonnigen Goldglanz oder im Silbermond, wenn es das generationenübergreifende Warten ist auf die Wiederkehr des Messias oder die lebenslange Einkehr in die Stille des Klosters, wenn es sich spiegelt im Auge des Kindes oder in der enorm dicken Schokoladenglasur um den herzförmig-herzhaften Lebkuchen, wenn es sich nicht weniger manifestiert im Zirkus, wo Humperdincks musikalisches Bübchen seinen ersten Weihnachtstraum träumte, als im beständigen Erleben innerer Ruhe nach den Regeln des Heiligen Benedikt, wenn das Licht der Welt nicht nur das Licht unserer kleinen Welt, sondern auch alle anderen Lichter aller anderen kleinen und unendlich großen Welten in allen Wellenlängen vereint: Dann leuchtet es ganz hell und vertreibt all Finsternis!


Uns allen, den Kleinen und Großen, den Engeln und Wichteln, den Ochsen und Eseln schlussendlich schöne weihnachtliche Stunden beim Anhören dieser musikalischen Kostbarkeiten und beim Nachsinnen über das Licht der Welt zu wünschen, hieße Sterne nach Bethlehem tragen:

Drum sucht besser alle nach dem Lebkuchen aller Lebkuchen und verratet auch mir, wo man ihn findet:

„O köstlicher Kuchen, wie schmeckst du nach mehr!
 Mir ist ja, als wenn ich im Himmel schon wär!“
 (Hänsel und Gretel)


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Der Booklet-Text von Holger Schneider, Stuttgart

Aquarell von Bruder Lukas, Maria Laach 2020

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